ANGELA SABO

Ich male um zu begreifen.

Malen hilft mir, mein Innerstes mit der Welt zu teilen.

Ich wurde 1977 im Land mit der Mauer geboren. Als Kind bestand meine Welt aus Menschenschlangen zur Gurkenzeit, Arbeiterliedern und der Ruine der Frauenkirche, Moskauer Eis und keinen coolen Jeans.

 

Anstelle vieler Dinge konnte viel Fantasie sprießen.
In den Kunstkursen auf Schloß Albrechtsberg in Dresden lernte ich mein wichtigstes Handwerkszeug: Sehen. Und die Disziplin weiterzumachen, bis ein gutes Bild entsteht.

 

Als die Mauer abgerissen wurde, war meine Heimat über Nacht ein neues unbekanntes Land. Es brachte viele tolle Dinge und Ängste vor dem Leben. Weil keiner meine Fragen beantwortete, beschloss ich, Forscherin zu werden. Ich wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und mich und uns Menschen. Als mir Christa 1993 sagte, nicht jedes Bild muss schön sein, war ich sehr erleichtert.

 

Stundenlang habe ich mit dünnen Tusche-Stiften kleine Formate gefüllt, anfangs außschließlich schwarzweiß, selten größer als A4. Das Papier war mein Raum – dort fand ich Antworten. Oder sie fanden mich.

 

Mit siebzehn wuchs daraus langsam so etwas wie ein eigener Stil. Freundliche Monster und Menschen mit Flügeln, einäugige Tänzerinnen und merkwurdige Blätterwesen,  Ornamente und Symbole teilten sich voll Inbrunst meine Skizzenbucher. Wenn ich malte, konnte ich den Dingen auf den Grund gehen und begreifen: mich selbst und die Welt, die Feinheiten und Gleichzeitigkeiten, die unsere Wirklichkeit ausmachen, Gegensätze und doch Freunde. Genau das interessierte mich.

 

 

Das Zeichnen schien mir 1995 totz guter Noten sinnvoller als das Abitur. Ein kluger Freund machte mir den Aufbruch in die Welt zum Glück schmackhafter als den Schulabbruch. Ich machte mein Diplom in Kommunikationsdesign in Mainz, ging beruflich verschiedene Wege und Umwege. Heute lebe und arbeite ich in Darmstadt und im Odenwald.

 

Meine Bilder zeichne ich mit Tusche, Copicmarker, Ölkreide, Buntstift, Kugelschreiber, Acryllack auf Papier. Mit dem Stift direkt auf die Fläche und führen lassen und üben, was Worte nicht sagen können. Begonnene Bilder lasse ich manchmal jahrelang liegen und muss im Leben erst weitergehen, damit meine Kunst weitergeht.

 

Seit 2017 habe ich mein Atelier im Handwerkshaus Ober-Ramstadt und arbeite auch mit Holz als Malgrund. Mich beschäftigt die Schönheit in all unseren inneren und äußeren Widerspruchen und im Kontext der Gesellschaft. Wie wunderbar und widersprüchlich, wie bezaubernd, schrecklich, schön ...

 

Inspiration und Antrieb für meine Arbeit ist
immer wieder der Mensch - dieses ganz zarte, ganz starke Wesen.