Malen hilft mir, mein Innerstes mit der Welt zu teilen.

Ich wurde 1977 im Land mit der Mauer geboren. Als Kind bestand meine Welt aus Schlangestehen zur Gurkenzeit, Arbeiterliedern und der Ruine der Frauenkirche, Moskauer Eis und keinen coolen Jeans.

 

Anstelle vieler Dinge konnte viel Fantasie sprießen.
In den Kunstkursen auf Schloß Albrechtsberg in Dresden lernte ich mein wichtigstes Handwerkszeug: SEHEN. Und die Disziplin weiterzumachen, bis ein gutes Bild entsteht.

 

Ich hatte sehr früh sehr viele Fragen. Ich wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und mich und uns Menschen.

 

1993 sagte mir eine erwachsene Freundin, nicht jedes Bild muss schön sein. Da war ich sehr erleichtert. Stundenlang habe ich mit dünnen Stiften kleine Formate gefüllt, anfangs außschließlich schwarzweiß, selten größer als A4. Das Papier war mein Raum, dort fand ich Antworten. Oder sie fanden mich.

 

Freundliche Monster und Menschen mit Flügeln, einäugige Tänzerinnen und merkwurdige Blätterwesen teilten sich seitdem voll Inbrunst meine Skizzenbucher. Beim Zeichnen konnte ich den Dingen auf den Grund gehen und begreifen: mich selbst und die Welt, all die Feinheiten, Gegensätze, Gleichzeitigkeiten. Genau das interessierte mich.

 

1995 schien mir die Kunst totz guter Noten sinnvoller als das Abitur. Ein kluger Freund hielt nichts vom Schulabbruch - und ich hörte auf ihn. Ich studierte erfolgreich und finde heute eine gute Balance zwischen meinem kreativen "Brot-Beruf" als Kommunikations-Designerin und meiner freien künstlerischen Arbeit.

 

 

 

 

Meine Bilder zeichne ich mit Tusche, Buntstift, Marker, Kugelschreiber, Acryl auf Papier. Hin und wieder fließt Collage ein. Ich überlege nicht viel. Der Stift führt mich über die Fläche. Es ist wie ein Üben und Finden, was Worte nicht sagen können. Begonnene Bilder lasse ich manchmal jahrelang liegen und muss im Leben erst weitergehen, damit meine Bilder weitergehen.

 

Ob ich mich selbst male in meinen Frauen-Bildern, werde ich oft gefragt. Ja und nein. Der oder die Einzelne ist immer auch Abbild einer großen umfassenden Wahrheit, die alles enthält: Freuden und Abgründe, Hoch-Zeiten, Verluste, was uns vertraut ist, was fremd ist. So viele innere und äußere Widersprüche in Menschen, im Miteinander, in der Gesellschaft, in mir selbst. Indem ich es zeichne, mache ich mein intensives Erleben, Sehen, Wahrnehmen sichtbar.

 

Inspiration und Antrieb für meine Arbeit ist
immer wieder der Mensch: dieses ganz zarte, ganz starke Wesen.

 

Angela Sabo