Malen hilft mir, mein Innerstes mit der Welt zu teilen.

Ich wurde 1977 im Land mit der Mauer geboren. Als Kind bestand meine Welt aus Menschenschlangen zur Gurkenzeit, Arbeiterliedern und der Ruine der Frauenkirche, Moskauer Eis und keinen coolen Jeans.

 

Anstelle vieler Dinge konnte viel Fantasie sprießen.
In den Kunstkursen auf Schloß Albrechtsberg in Dresden lernte ich mein wichtigstes Handwerkszeug: Sehen. Und die Disziplin weiterzumachen, bis ein gutes Bild entsteht.

 

Ich hatte schon früh sehr viele Fragen. Ich wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und mich und uns Menschen. 1993 sagte mir eine Freundin, nicht jedes Bild muss schön sein. Da war ich sehr erleichtert. Stundenlang habe ich mit dünnen Tusche-Stiften kleine Formate gefüllt, anfangs außschließlich schwarzweiß, selten größer als A4. Das Papier war mein Raum, dort fand ich Antworten. Oder sie fanden mich.

 

Daraus wuchs so etwas wie ein eigener Stil. Freundliche Monster und Menschen mit Flügeln, einäugige Tänzerinnen und merkwurdige Blätterwesen,  Ornamente und Symbole teilten sich voll Inbrunst meine Skizzenbucher. Wenn ich malte, konnte ich den Dingen auf den Grund gehen und begreifen: mich selbst, die Welt, ihre Feinheiten, Gegensätze und Gleichzeitigkeiten. Genau das interessierte mich.

 

Das Zeichnen schien mir totz guter Noten sinnvoller als das Abitur. Ein kluger Freund hielt nichts von meinem geplanten Schulabbruch und ich hörte auf ihn. Ich machte mein Diplom in Kommunikationsdesign in Mainz, ging beruflich verschiedene Wege und Umwege und finde heute eine gute Balance zwischen Brot-Beruf und freier Kunst.

 

 

 

 

Meine Bilder zeichne ich mit Tusche, Copicmarker, Ölkreide, Buntstift, Kugelschreiber, Acryllack auf Papier. Mit dem Stift direkt auf die Fläche und führen lassen und üben, was Worte nicht sagen können. Begonnene Bilder lasse ich manchmal jahrelang liegen und muss im Leben erst weitergehen, damit meine Bilder weitergehen. Für den Verkauf fertige ich Kunstdrucke auf Papier, Leinwand oder kleine Holz-Unikate. Jeder soll sich Kunst leisten können, finde ich.

 

Häufig werde ich gefragt, ob ich mich selbst male in meinen Frauen-Bildern. Ich glaube, am meisten beschäftigt mich die Schönheit in all unseren inneren und äußeren Widerspruchen, im Kontext der Gesellschaft, letztlich natürlich in mir selbst. Für mich ist der Einzelne ist immer auch Abbild einer großen umfassenden Wahrheit, die alles enthält.

 

Inspiration und Antrieb für meine Arbeit ist
immer wieder der Mensch: dieses ganz zarte, ganz starke Wesen.

 

Angela Sabo